Silvano Cerutti - Du nennst das Gier
Fredy Grübel hats versaut. Aus der Partei geworfen, mit den Freunden verkracht, den Job verloren und von der Frau verlassen. Sein Burn-out verdrängt er mit Alkohol. Für den geheimnisvollen Erzähler, der seine Ohren überall zu haben scheint, ist Grübel nur «der Depp».
Bildergalerie, Silvano Cerutti auf der Cappella-Bühne
Dies ist die Ausgangslage von «Du nennst das Gier», Silvano Ceruttis drittem Roman nach «Gchnätzlets» und «Kafi Schnaps». Cerruti schickt seinen gestrauchelten Protagonisten ins solothurnische Bätzigen, wo dieser wieder Tritt fassen will – und mehr: Ein ruhiges Leben auf dem Land, ein befristeter Job als Sozialinspektor und eine neu zu gründende Partei sollen Grübel eine Wiederauferstehung als Messias der Schweizer Politik ermöglichen. Aber dann gehts mit dem Parteiprogramm nicht richtig vorwärts, der Vermieter ist ein Choleriker, und Bätzigen ist politisch so rechtschaffen, dass es dort nicht mal eine SP gibt.
Mord und Mauscheleien
Ginge alles noch, findet der Depp, wenn ihm seine Verflossene nicht mit dem Anwalt drohen würde. Dann wird er auch noch vom Treuhänder und ständigen Gemeindeberater Alex als Detektiv in einem Mordfall an einer Studentin ins Feld geschickt. Oder ist das nur ein Vorwand, um einen anderen Skandal aufzudecken? Ein paar Quetschungen und Schürfungen später ist der Depp noch immer nicht schlauer und der Erzähler hört sich selber um. Wird er deshalb von Handwerkern kommentarlos aus seinem Loft vertrieben? Was hat der Depp damit zu tun und wie soll Gier Geschichte machen?
Neoliberale Wahnwirtschaft und Bauernschläue
Entstanden in einem Klima, in dem Steuersenkungen als Allheilmittel auf die Krisen dieser Welt betrachtet werden, beinhaltet «Du nennst das Gier» Seitenhiebe auf die neoliberale Wahnwirtschaft genauso wie auf jene Bauernschläue, die Rendite über Moral stellt sowie auf verquere Vorstellungen, wie sich Schriftsteller politisch äussern sollten. Cerutti und Flückiger alias Count Vlad haben aus «Du nennst das Gier» ein packendes Bühnenprogramm erarbeitet, in dem sich Geschichte und Songs abwechseln und thematisch ergänzen.
Sprache: Hochdeutsch










