Jobert & PancettaDie graue Spinne

Di | 17.6.2014. | 20.00

Auch schlichte Bühnenbilder können Durcheinander entfalten. Robert Stofer und Eveline Dietrich als Jobert und Pancetta in ihrem dritten Bühnenstück.

Jobert und Pancetta haben sich Grosses vorgenommen: Gotthelf. Als Laienschauspieler suchen sie eine neue Herausforderung. Doch auf den Brettern, die, wie man sagt, die Welt bedeuten, gerät ihre Welt ordentlich durcheinander. Jobert und Pancetta, das sind einmal Jobert, nicht mehr so jung wie er meint, und auch nicht ganz so gegenwärtig, in seinem ausgebeulten Anzug. Und Pancetta, an der ebenfalls einige Sommermoden spurlos vorüberzogen. Doch für den heutigen Theaterabend hat sie sich schön gemacht – und ihn auch gerade noch, so gut es eben ging. So betreten sie die Bühne. Das Publikum will’s nicht wissen, aber Jobert hat ein Weltbild und Weisheiten schmackhaft zu machen. Pancetta versucht, den schlimmsten Peinlichkeiten auszuweichen. Nur mit den Requisiten hat keiner gerechnet. Sie lauern auf der Bühne und lassen sich die Gelegenheit nicht nehmen, die beiden auf Trab zu bringen. Und wenn die sich mit Gotthelfs boshaften Gestalten verbinden, entfalten sie eine erstaunliche Energie. Geradezu bedrohlich.

Moral bloss zum Tunken
Aber Sie können sich entspannen: Gotthelf besteht bei Jobert und Pancetta aus leichten Happen, stösst kaum sauer auf, hat Biss, ist knusperig und erfrischend und erhellt das Gemüt. Moral bloss zum Tunken. Die Figuren Jobert und Pancetta sind auch in diesem Stück (Regie: Thomas Scheidegger) voller Schwächen und Widersprüche und geraten in Absurditäten. Sie begehen Dummheiten, ohne etwas daraus zu lernen. Jedenfalls Jobert, fi ndet Pancetta. Jedenfalls Pancetta, meint Jobert. Das Straucheln ist erfrischend. Poetische Momente wechseln sich ab mit absurd-realen Dialogen, Slapstick mit Realsatire. Grau mit buntem Schwarzweiss.


Sprache: Mundart