Klassik-Ohrarmung: The G Major ProjectSchubert: Streichquartett Nr. 16 in G-Dur D 887

Mo, 10. Februar 2020 | 20.00 Uhr
Neu: Bewegte Hauskonzerte in der Cappella
1 / 4

Spieldaten

Feb 2020

Die neue Klassik-Reihe in Berns Kleinkunstbühne La Cappella lässt Musik von der ganz grossen Sorte aufleben: Diejenige, die alles durchschreitet, was das menschliche Leben an Höhen und Tiefen zu bieten hat, die Grenzen sprengt und gleichzeitig unfassbar intim ist. Jedes Ensemble hat für sein Konzert ein persönliches Herzensstück ausgewählt, um es mit Musikhungrigen und Neugierigen in einer Ohrarmung zu teilen.

Zuhören, und zwar so, wie es Dir gefällt: Sitzend oder liegend, auf Polsterstuhl, Holzbank, Sitzkissen oder Yogamatte – Du hast die Wahl. Pro Abend steht genau ein Werk auf dem Programm. Damit Du richtig in die Musik eintauchen kannst, schaffen wir vor dem Konzert gemeinsam Platz für sie: durch simple Übungen entspannen wir den Körper, leeren den Kopf und öffnen unsere Sinne. Nichts muss – alles darf, lautet dabei die Devise.

Kuration: Sonja Koller | Gastgeber: Christoph Hoigné | Übungen: Sophie Kinkel | Publikumsvernetzung HKB: Barbara Balba Weber

The G Major Project
Meesun Hong Coleman & Sonja Starke, Violinen | Anna Puig Torné, Viola | Thomas Kaufmann, Cello

Musik mit Worten zu begegnen ist schwierig und bei Schuberts letztem Quartett so gut wie unmöglich. Entweder, man hält es also mit Wittgenstein nach dem Motto «Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen». Oder? Man erzählt ganz schlicht die wahre Geschichte darüber, wie es dazu kam, dass ein Quartett so weit ging, sich nach diesem Werk zu benennen. Wir entscheiden uns hier für die zweite Variante. Es waren einmal … 

… vier Berner Cameraten. Sie hatten eine Idee. Alle wollten immer schon Schuberts G-Dur Quartett spielen, aber immer fehlte die Zeit oder das Geld oder die Leute oder die passende Kleidung oder die Noten oder der Mut oder einfach die Gelegenheit.

Und so gingen die Jahre ins Land, jeder schrubbte, kratzte und strich so auf seinem Instrument herum, dass sich die Balken bogen! Man vergriff sich an Werken von Gillettri, Velord, Holziger, so wohlklingenden Namen wie Ramsch, Knistergerang... und wie sie alle heissen! Das war ein Lärm! Ein Umblättern und Proben und Proben... die Saiten rissen, wurden neu aufgezogen, die Bögen wurden behaart und wieder behaart – vom Kolophoniumverschleiss mal ganz abgesehen. 

Und das alles nur, um eines Tages, vermutlich im Vollrausch (so genau weiss das keiner mehr), auf die ebenso grandiose wie waghalsige, ja lebensmüde Idee zu kommen, gemeinsam dieses besungene und besagte Lieblingsstück aller Götter und Nymphen, Diebe und Elstern, Hanswürste und Brillenputzern, Lehrerzimmer und Frauenmäntel, Papierfaltern und Rübenzähnen – kurzum, allen Wichtigtuern und Mauerblümchen, eigenhändig aufzuführen. Koste es, was es wolle. Die Zeit ist reif. The G major Project war geboren. Nun gibt es kein Zurück mehr! Wem das zu gefährlich scheint, der verlasse bitte augenblicklich den Saal und entferne sich so rasch und so weit wie möglich vom Ort des Geschehens!