Steigmeier/ZellerJenseitige Begegnungen

So | 18.2.2018 | 17.00 Uhr
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Spieldaten

Feb 2018

Ab November dürfen die Toten der Sage nach wieder zurück in ihre Häuser kommen, wo sie gelebt haben oder gestorben sind. Jürg Steigmeier, das Urgestein des helvetischen Erzählertums, entführt in eine frühere Zeit, in der die Menschen das Diesseits noch eng mit dem Jenseits verbanden. Patrik Zeller, das theater- und filmerprobte Klangchamäleon, begleitet musikalisch und führt das Thema mit seinen Liedern in die Gegenwart.

Für die Menschen früherer Zeiten waren das Diesseits und das Jenseits eng miteinander verbunden. Sie glaubten an eine jenseitige Welt, die mit der unsrigen in wechselseitiger Beziehung steht. So gab es bestimmte Personen, die mit der Welt der Geister in Verbindung treten konnten. Ebenso aber konnten die Verstorbenen mit Lebenden Kontakt aufnehmen. Zahlreich sind die Berichte von Sterbenden, welche sich im Moment ihres Todes bei nahen, geliebten Personen melden, um ihnen von ihrem Ableben Nachricht zu geben. Trauer zu ritualisieren, in religiösen und mythischen Erzählungen zu bewältigen, ist dem Menschen eigen. Die Volksdichtung hat die Einstellung zu den Toten unterschiedlich gestaltet. Einerseits besteht das Bedürfnis, zu den Toten zu gehen, andererseits den Wunsch, die Toten in unsere Welt zu integrieren. Bekannt ist die Neugierde zu wissen, wohin die Toten gehen, ebenso die Angst, unter gewissen Voraussetzungen von den Verblichenen ins Jenseits verschleppt zu werden. Daher wird den Verstorbenen den ihnen gebührenden Respekt entgegengebracht. Man hütet sich davor, sie zu verärgern und an bestimmten Tagen finden sie in unseren Leben einen Platz.

«Und selbst wenn eines Tages nicht mehr geschrieben oder gedruckt werden wird oder darf, wenn Bücher als Überlebensmittel nicht mehr zu haben sind, wird es Erzähler geben, die uns von Mund zu Ohr beatmen, indem sie die alten Geschichten zu neuen Fäden spinnen: laut und leise, hechelnd und verzögert, manchmal dem Lachen und manchmal dem Weinen nahe.» Die Worte von Günter Grass beschreiben die Erzählkunst vortrefflich: In dieser uralten Tradition jenseits vom Lesenden oder Schauspielenden geht es um lebendige Überlieferung im lebendigsten Sinne. Dazu spricht die Musik, durchaus als Sprache der Emotionen zu verstehen. Zum einen verflochten in die Erzählungen, mit Gesang, Akkordeon und kleinen Rhythmusinstrumenten archaisch in der Klangquelle, in ihrer Verarbeitung mit Loop-Geräten und modernem Sound Processing am Puls der Zeit. Zum anderen tragen für sich stehende Lieder das Thema in die Gegenwart: Da wird vom Grossvater gesungen, ein stolzer Atheist, dem gerade Einstellung beim Abschied Mühe bereitet. Oder mit balladesker Musik Statistik rund um den «Tod» rezitiert wird. Die einzigartige, unterhaltsame Kombination aus diesen Elementen entführt das Publikum in frühere Zeiten, beeindruckt durch stimmungsvolle (Erzähl- und Klang-)Bilder und regt durch ihren Bezug zur Gegenwart zum Nachdenken an.  

Patrik Zeller:Musik Der musikalische Tausendsassa Patrik Zeller schreibt, spielt und produziert Musik für Theater, Film, Bands und Events.  

Jürg Steigmeier:Wort Schweizer Urgestein und daselbst als Vermittler helvetischen Erzählgutes nicht mehr wegzudenken.