Strohmann-Kauz Waidmannsheil!

Mi | 8. Mai 2019 | 20.00 Uhr
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«Waidmannsheil!» ist ein mutiges Zeitbild von bestechender Doppelbödigkeit, gespickt mit makabren Seitenhieben. Für die Einen. Für Andere ist es schlicht nur eine köstlich rabenschwarze Komödie. «Bitterböse» oder auch «very british» sagen manche.

«Waidmannsheil!» bewegt und wird zuweilen heftig diskutiert. Darin sind sich aber alle einig: Es ist grosses Schauspiel, präzises Handwerk und vorzügliche Regiearbeit.  

Allgegenwärtige Bedrohung

Es ist ein friedlicher Herbstnachmittag. Liebliche Landschaft mit Feld, Wald und Wiesen. Vöglein zwitschern im Geäst. Einzelne Kletterer versuchen sich an einem nahen Felszacken und zufriedene Wildschweine warten im Wald auf die Abenddämmerung. Zwei Jäger sitzen auf einem Hochsitz am Rande einer Lichtung. Für sie hat diese Landschaft ein anderes Gesicht. Und ihre schwarzen Phantasien nehmen im Zwielicht der Dämmerung Gestalt an. Sie lästern, dass der Hochsitz wackelt. Die beiden schiessbereiten Nörgler Frank (Rhaban Straumann) und Bänz (Matthias Kunz) üben sich in Geduld. Keine Sau in Sicht, nur Menschen und makabre Gedanken.  

Schwarzer Humor gefragt

«Waidmannsheil!» ist mehr als nur schwarzes Kabarett oder düsteres Satiretheater. Strohmann-Kauz nehmen mit dem Preis gekrönten Stück der deutschen Autorin Susanne Hinkelbein bedenkenswerte Tendenzen aufs Korn und dunkle Seiten ins Visier. Sie ertappen irre Gedankensprünge in Lauerstellung und entschärfen Absichten hinter heimlichen Sehnsüchten. Als Frank und Bänz machen sie ihren Hochsitz zur Welt und reden sich um Kopf und Kragen, kommen vom Hundertsten zum Tausendsten. Der Kosmos rund um den Hochsitz ist voller Missgunst und Gemeinheit. Sie schwanken zwischen jagen und gejagt werden und wähnen die Bedrohung allgegenwärtig. Durch die Leere schnorren sie sich im Wettbewerb um Eifersucht und Jagdinstinkt. Manch ein ausgeweideter Gedanke entpuppt sich dabei als Querschläger. Das kann ins Auge gehen ... Bis schliesslich die Sonne ihre Taten ungeschehen straft. Könnte man meinen.  

Konsequent böse

So wächst ein grauenhaft gemütlicher Kosmos, aus dessen finsteren Abgründen sich überaus erhellende Erkenntnisse ergeben, je länger Frank und Bänz auf die Sau warten. Bleibt die Frage: Kommen die Beiden auch einmal zum Schuss? Worauf wird geschossen, wenn die Sau Schwein hat? Sicher ist indes nur, die romantische Idylle vom edlen Waidwerk im tiefen Wald schleicht sich irgendeinmal davon. Es wird very, very british... so sehr, dass sich der Eine oder der Andere auf der Insel wähnt. In der ihr eigenen anspruchsvollen Mischung aus Komik à la Valentin und kafkaesker Tragik führt die Autorin Susanne Hinkelbein mit ihrer schwarzen Farce nicht nur ins Unterholz herbstbunter Wälder, sondern auch ins Unterbewusstsein von gejagter und jagender Menschenseele. Die Bedrohung ist allgegenwärtig: «Solang do usse no irgend öppisläbt, usser dir, solang do no irgend öppis läbt, bisch du immer ou e Gjagte.»


Sprache: Mundart