Unsere Künstlerin des Jahres 2020: Margrit Bornet

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Liebe Kulturbegeisterte, liebe Kleinkunstfans

Diese Frau spielt einen ganzen Frauenverein. Margrit Bornet ist bekannt für ihre blitzschnellen Rollen- und Kostümwechsel. So hat sie in ihren letzten Programmen gleich vier wunderbare Frauenfiguren aus Zürich Oerlikon auf die Suche nach dem grossen Glück verkörpert. Im Kampf um Liebe, Erfolg und Karriere werden die resolut-überspannte Sandra, die Rocker-Oma Fry mit ihrer knarrenden Stimme, Teenagerin Susi, verliebt und voll emotional, und Nesthäkchen Gina stark gefordert. Es nahen wilde Zeiten voll Tiefsinn, Witz und Ironie. Für das Publikum ein Hochgenuss. Wenn dann noch Margrit Bornet selbst ins Spiel kommt, die – von so vielen Rollen verwirrt – ihre eigene Identität sucht, dann wird die Sache richtig spannend (am 15. März erneut auf der Cappella-Bühne).

Margrit Bornet war schon die quirlige Coiffeuse Sandra, das Justin-Bieber-groupie Susi, Madame-Balloni-Omi Fry... In ihrem aktuellen Programm «Bornet Identity» (am 15. März auf der Cappella-Bühne) geht Margrit Bornet auf die Suche nach ihrer Identität. Sie befindet sich auf der Bühne, alles steht bereit, die Vorstellung kann beginnen, das Publikum ist bereits gespannt. Doch Margrit kann sich an nichts mehr erinnern. Was macht sie hier, was sollte sie tun, wer ist sie eigentlich? alles ist weg, die ganze Szene, der Text, die totale Leere. Plötzlich tauchen Margrits Kunstfiguren in ihrem Gedächtnis auf. Denn auf der Bühne steht der Spiegel mit der Perücke von Sandra, der immer positiven Coiffeuse aus Zürich Oerlikon. Auch Susi, das coole Teenie ist da. Durch sie findet Margrit wieder in die Bühnenrealität, in die Szene, welche sie eigentlich spielen sollte. Denn sobald Margrit Sandra und Susi spielt, haben diese ein Eigenleben...

Das muss ihr erst jemand nachmachen! Margrit Bornet vereint in ihren Programmen Komik, Slapstick und Schauspiel «Ihr Figurenarsenal ist derart pointiert und die Wandlungsfähigkeit der Schauspielerin so gross, dass man unweigerlich Vergleiche zieht mit Birgit Steinegger oder, in Bezug auf die Tiefenschärfe ihrer Beobachtung, Joachim Rittmeyer», schriebt Daniele Muscionico begeistert in der «Neuen Zürcher Zeitung». Wir stimmen gerne in dieses Loblied ein und freuen uns über unsere Cappella-Künstlerin des Jahres 2020.

London, Brüssel, Toggenburg und Breitenrain. Schon als Kind wollte Margti Bornet die Menschen zum Lachen bringen. Folgerichtig absolvierte sie nach der Rudolf-Steiner-Schule die Desmond Jones School of Mime and Physical theatre in London und die Zirkusschule in Brüssel. Zwischen 1998 und 2001 tourte sie mit dem «Broadway Variété» von David und Irma Schoenauer durch die Schweiz. 2001 wurde die Künstlerin mit dem Appenzeller Kleinkunstpreis «goldener Bieberfladen» und dem Förderpreis des «Zentraleuropäischen Festivals für Komische Künste» in Winterthur ausgezeichnet. Mit «Best of Biberflade» gastierte Margrit 2004 zum ersten Mal in der Cappella. 2014 gewann Margrit Bornet den Kleinkunstpreis «Die Krönung». Sie lebt im Toggenburg und ist – wen wunderts – eine facettenreiche Persönlichkeit. Neben Comedy hat Yoga in ihrem Leben eine zentrale Bedeutung. «Yoga ist meine Lebensphilosophie und meine Kraftquelle», sagt die diplomierte Yogalehrerin. Deshalb darf die Yogamatte in der Garderobe nie fehlen.

Weil sie die Menschen liebt. Man muss genau hinsehen, will man die Menschen so exakt wiedergeben wie dies Margrit Bornet tut. Ihre Susi, ihre Sandra, und ihre Fry sind prototypisch verdichtete Charaktere, die überzeugen und uns so richtig herzhaft zum Lachen bringen. Ihre Schrulligkeit so lebensecht wiederzugeben ist nur dann möglich, wenn man die Menschen und ihre Schwächen liebt. Und für diese Liebe zu den Menschen lieben wir Margrit Bornet – und machen sie zur Cappella-Künstlerin des Jahres 2020.

Begegnungen mit Baldrian und Joachim Rittmeyer. Kein Wunder, findet Margrit Bornet auch zu zwei anderen Künstlern, welche das Menschliche und Allzu-menschliche ins Zentrum ihres Schaffens stellen: Tomas Leuenberger, früher die eine Hälfte des Duos Flügzüg ist seit Jahren als Baldrian unterwegs und verzaubert sein Publikum mit seiner poetischen Bühnenshow. Er zelebriert die Langsamkeit und ermuntert die Zuschauerinnen und Zuschauer zur Entschleunigung, denn «in der Langsamkeit findet Qualität, Lebensqualität, Qualität zum Leben statt». Zum Cappella-Geburtstag haben und Bornet und Baldrian ein wunderbares Programm namens «Züri-Bärn» geschenkt, dass sie Ende August 2020 wieder aufnehmen und weiterentwickeln. Einer, der wie Margrit Bornet legendäre Bühnenfiguren entwickelt, ist der Ostschweizer Joachim Rittmeyer. Legendär sind sein Strauchler Brauchle, der knorrige Freigeist Metzler oder der sinnierende Slave Jovan. Wenn alles gut geht, werden sich Rittmeyers Figuren im Dezember 2020 mit denjenigen von Margit Bornet treffen – natürlich exklusiv auf der Cappella-Bühne.

Wir gratulieren Margrit ganz herzlich und freuen uns auf sie und ihre Gäste!

Sternstunden in der Wohlfühlkapelle

Kleinkunst lebt von der Nähe. Denn Nähe ist unsere Stärke. Nirgends können Sie Künstlerinnen und Künstler und ihre Kunst näher und unmittelbarer erleben als in einem Kleintheater. Stets ganz nahe dran, denn Kleinkunst heisst: kleine Distanz zwischen Bühne und Publikum, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Erwartung und Erfüllung. Oder wie Uta Köbernick sagt: Nahkunst, halt.

Nähe und Einmaligkeit

Anders als im Kino, wo jeder Film bei jeder Vorführung genau gleich aussieht, ist jeder Kleinkunstabend anders. Das Publikum, die Stimmung, die Energie zwischen Bühne und Zuschauerraum wechselt von Vorstellung zu Vorstellung. Und die Bilder sind nicht vorgegeben, sondern ganz persönlich. Denn der Film entsteht hier im Kopf der Betrachterin, des Betrachters.

Für Kenner und Perlentaucher

Wir bemühen uns seit bald 20 Jahren, ein Programm zusammenzustellen, das Kenner der Szene durch seine Dichte, Qualität und Vielseitigkeit immer wieder aufs Neue überrascht und begeistert. Ein besonders Augenmerk legen wir auf spannende Künstlerinnen und Künstler, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen. Neben der Nachwuchsförderung wollen und werden wir auch immer wieder zeigen, dass es zwar wenige, aber ganz tolle Frauen in der Musik- und Kleinkunstszene gibt. Oft ermöglichen wir Künstlerinnen und Künstlern – vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus Österreich, Italien, Frankreich, den USA oder Kanada, Irland oder Uruguay – sich dem Berner oder sogar dem Schweizer Publikum erstmals vorzustellen. Für kulturelle Perlentaucher ist die Cappella ein ideales Gewässer. 

Im Theater zu Hause

Manche Leute mögen die Cappella, weil es hier gemütlich ist. Wegen der intimen Atmosphäre, der entspannten Stimmung, der gelebten Gastfreundschaft und familiären Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern. In der Cappella fühlt man sich – ob an öffentlichen oder privaten Veranstaltungen – willkommen und zu Hause. 

Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Surfen und freuen uns, Sie demnächst wieder persönlich in unserem Theater begrüssen zu dürfen.

Christoph Hoigné 
und das ganze Team der Cappella