Cappella-Künstler des Jahres 2017: Sibylle & Michael Birkenmeier

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Liebe Kulturbegeisterte!

Am 3. November vor 19 Jahren startete der Kulturbetrieb in der Cappella. Für uns ein grosser Grund zur Freude. Voller Dankbarkeit für so viele erfüllte Jahre, kürte die Cappella 2017 zum ersten Mal «Künstler des Jahres». Lesen Sie also hier die Laudatio auf ein Geschwisterpaar aus Basel, das seit sage und schreibe 34 Jahren für hochkarätiges Theaterkabarett bürgt: Sibylle & Michael Birkenmeier.

Kluge Texte, Witz und Zivilcourage. Wir haben sie als Künstler des Jahres gewählt, weil sie ihre Fahne nicht ins laueste Lüftchen halten. Während der Mainstream sich ganz woanders über die Massen ergiesst, sind die Birkenmeiers der stete Tropfen, das munter plätschernde Bächlein, welches das selbstgebastelte Wasserrad am Laufen hält. Sie sind der Kieselstein im bequemen Schuh und zeigen unverdrossen, was bei uns verkehrt läuft und fragen: «Warum?». Dabei gibt es stets sehr viel zu lachen, denn Humor ist die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen Zuversicht zu bewahren. Humor ist das herzhafte Schmunzeln über sich selber, nicht über andere. Fern von billiger Schadenfreude geniesssen wir ihr geistreiches Nachforschen in den Abgründen unserer Gesellschaft.  

«Haltung und Unterhaltung». Das ist es, was auf der Etikette stehen müsste – gäbe es bloss eine Schublade, in welche die beiden Bühnenmenschen passen würden. Sibylle & Michael lassen sich schwer einordnen. Sie sind engagiert, talentiert und sprühen vor Esprit. Unermüdlich nennen sie die Dinge beim Namen, decken auf und prangern an – und unterhalten uns dabei vorzüglich mit ihrem lustvoll angerichteten musikalischen Kabarett. Und wie guter Wein, reifen sie mit jedem Jahr.

Scharfer Verstand unter krausem Lockenhaupt. Und ein Herz mit Schnauze. Michael textet und komponiert, lässt seine Finger virtuos über die Tasten flitzen und seinen Bariton erklingen, während Sibylle singt, spielt und herumhüpft – von einer Rolle in die nächste. Sie haben feine Antennen für das, was die Menschen umtreibt, was uns glücklich oder krank macht. In ihren Songs und Szenen bringen sie es schmerzhaft schön und oft urkomisch auf den Punkt. Sie haben sich selber immer wieder neu erfunden – und sind sich trotzdem treu geblieben. Neue Ausdrucksformen mussten her, um laustarke Propaganda, stummes Unbehagen, schleichenden Verdummung, Konsumwahn und Verblendung zu entlarven. Sibylle & Michael Birkenmeier öffnen den Menschen im Theater die Augen und spornen sie an, zum Mit-, Nach- und Selber-Denken.

Weil sie ganz was Besonders sind, sind Sibylle & Michael Birkenmeier unsere allerersten Künstler des Jahres — und sie zeigten bei uns alles, was sie zurzeit auf der Bühne zu bieten haben. Den letzten Abend bestritten sie zusammen mit Andreas Thiel am 15. Movember. Und «bestreiten» trifft es dabei so genau wie selten. Die Gäste, die sich der Geburtstags-Tradition folgend auf unserer Bühne zum ersten Mal begegneten, machen zwar ebenfalls politisches Kabarett, aber sie haben das Heu beileibe nicht auf der selben Bühne. Eine überaus spannende Geburtstags-Begegnung!  

Sternstunden in der Wohlfühlkapelle

Liebe Kulturbegeisterte

Kleinkunst lebt von der Nähe. Denn Nähe ist unsere Stärke. Nirgends können Sie Künstlerinnen und Künstler und ihre Kunst näher und unmittelbarer erleben als in einem Kleintheater. Stets ganz nahe dran, denn Kleinkunst heisst: kleine Distanz zwischen Bühne und Publikum, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Erwartung und Erfüllung. Oder wie unsere liebe Freundin, die begnadete Kleinkünstlerin und Preisträgerin des «Salzburger Stiers 2016» Uta Köbernick (sie spielt übrigens am 9. Mai 2018 noch einmal - ein letzttes Mal - ihr aktuelles Programm «Grund für Liebe» bei uns) sagt: Nahkunst, halt.

Nähe und Einmaligkeit

Anders als im Kino, wo jeder Film bei jeder Vorführung genau gleich aussieht, ist jeder Kleinkunstabend anders. Das Publikum, die Stimmung, die Energie zwischen Bühne und Zuschauerraum wechselt von Vorstellung zu Vorstellung. Und die Bilder sind nicht vorgegeben, sondern ganz persönlich. Denn der Film entsteht hier im Kopf der Betrachterin, des Betrachters.

Für Kenner und Perlentaucher

Wir bemühen uns seit nunmehr achtzehn Jahren, ein Programm zusammenzustellen, das Kenner der Szene durch seine Dichte, Qualität und Vielseitigkeit immer wieder aufs Neue überrascht und begeistert. Ein besonders Augenmerk legen wir auf spannende Künstlerinnen und Künstler, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen. Neben der Nachwuchsförderung wollen und werden wir auch immer wieder zeigen, dass es zwar wenige, aber ganz tolle Frauen in der Musik- und Kleinkunstszene gibt. Oft ermöglichen wir Künstlerinnen und Künstlern – vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus Österreich, Italien, Frankreich, den USA oder Kanada, Irland oder Uruguay – sich dem Berner oder sogar dem Schweizer Publikum erstmals vorzustellen. Für kulturelle Perlentaucher ist die Cappella ein ideales Gewässer. 

Im Theater zu Hause

Manche Leute mögen die Cappella, weil es hier gemütlich ist. Wegen der intimen Atmosphäre, der entspannten Stimmung, der gelebten Gastfreundschaft und familiären Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern. In der Cappella fühlt man sich – ob an öffentlichen oder privaten Veranstaltungen – willkommen und zu Hause. 

Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Surfen und freuen uns, Sie demnächst wieder persönlich in unserem Theater begrüssen zu dürfen.

Christoph Hoigné 
und das ganze Team der Cappella