Angela Pina Ganzoni & Jacob StickelbergerDas Leben und die Liebe

Do | 3.11.2016 | 20.00 Uhr
Cappella-Geburtstags-Special
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Fast 50 Jahre trennen die junge Schauspielerin Angela Pina Ganzoni aus Winterthur und den Liedermacher und Anwalt Jacob Stickelberger, bekannt als Mitglied der Berner Troubadours an der Seite von Mani Matter und Fritz Widmer. Am Tag, an dem die Cappella volljährig wird, treffen die beiden auf unserer Bühne erstmals zusammen.

Eine Philosophin auf der Bühne! Am Klavier und Akkordeon singt sich Angela Pina Ganzoni, geboren 1987, durch alle (un)möglichen Gefühle und verzaubert das Publikum mit ihrem Multitalent gleichermassen wie mit ihrem Charme. Reich an Variation in Mimik, Körpersprache und Stimme schwelgt sie selig in der Melancholie ihrer Melodien in Moll oder hüpft freudig mit bei Dur. Ihre Texte handeln von Utopien, Alltäglichem, Freiheit und dem Mut zur Verletzlichkeit. Erlebtes wird schamlos seziert und Geheimes furchtlos enthüllt. Angela Pina Ganzonis Musik berührt, versammelt auf das Wesentliche, fordert heraus und versöhnt zugleich. Ihre Lieder sind eine Ode an das L(i)eben, den Tod und die Veränderung.  

Angela Pina Ganzoni, die von Edith Piaf inspiriert ist, sagt: «Als alte Frau möchte ich ein Atelier haben voller Instrumente und Blumen, in dem die Besucher tun können, was sie wollen, oder auch mich um Rat fragen in allen Lebensfragen – ich wäre dann eine Art Musik-Theater-Therapeutin für Normale und Verrückte. Doch zuerst muss alles wachsen und ich muss mein Publikum finden, meinen Platz in diesem Business. Und ich will alle Menschen glücklich und zufrieden machen mit meinem Gesang.»  

Berner Troubadour

Einer der seinen Platz längst gefunden hat, ist der Chansonnier und Anwalt Jacob Stickelberger. Er wurde 1940 geboren, seine Mutter war Bernerin. Sein Vater arbeitet als Journalist, sein Grossvater als Schriftsteller. In Bern studierte er Jura und machte den Doktor. Über Mani Matter – ebenfalls ein Doktor der Rechte – fand er den Weg zum Chanson. 1966 schloss sich Stickelberger den Berner Troubadours an, die zu dieser Zeit im Galerietheater «Die Rampe» in Bern auftraten. Von 2002 bis 2009 gastierte er mit den Berner Troubadours regelmässig in der Cappella. 

Franz Hohler schreib über ihn: «Jacob Stickelberger ist Rechtsanwalt und als solcher mit den Ränken und Krümmungen menschlichen Denkvermögens eng vertraut. Die Hauptpersonen seiner Lieder müssen sich denn auch häufig durch wahre Labyrinthe von Überlegungen oder Handlungen zwängen, bevor die Sache dann doch ein schlechtes Ende nimmt, ähnlich wie im Prozesswesen. Als Anwalt ist sein Ruf mindestens so gut wie als Chansonnier, und zwar weil er eine in diesen Kreisen seltene Eigenschaft oder schon fast Eigenheit hat: er sagt nie mehr, als was er selbst glaubt. Deshalb glaubt man ihm das meiste, was er sagt." «Lied und Plädoyer sind ähnlich», betont Stickelberger selbst. «Bei Chansons müssen sie in zweieinhalb Minuten ihrem Gegenüber ein Thema beliebt machen, sodass sie sofort interessiert hinhören. Das halte ich für eine Kunst. Bei einem Plädoyer ist das genau dasselbe. Wenn man etwas in Gerichtssachen vorträgt, muss man so sprechen, dass ein Richter interessiert ist und sich nicht gleich angewidert abwendet.»