Bodo WartkeKönig Ödipus

Sa | 30. Juni 2018 | 20.00 Uhr
La Cappella präsentiert im Stadttheater Bern
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Spieldaten

Juni 2018

In Bodo Wartkes Bearbeitung als Solo-Theater wird aus dieser griechischen Tragödie nach Sophokles – lähmende Erinnerung an so manch‘ verstaubte Deutschstunde – ein musikalischer, kurzweiliger, frech und intelligent präsentierter Klassiker, der das Publikum mitreisst, der die Laune und das Bildungsniveau schlagartig hebt.

Die griechische Mythengestalt des Ödipus begleitet Bodo Wartke als Langzeitprojekt bereits seit seiner Schulzeit. Die ursprüngliche Idee eines Zwölftklässlers, aus dem antiken Drama ein Musical zu machen liess sich zur damaligen Zeit nicht verwirklichen. Und so blieb es zunächst bei einzelnen Episoden der Ödipus-Saga, die der Klavierkabarettist seit seinem ersten Konzert 1996 als Bestandteil seiner ersten drei Programme präsentierte.

Der dramaturgisch starke und spannende Stoff liess Bodo Wartke nicht mehr los. Sein Mitgefühl für die Figuren, die versuchen ihrem Schicksal zu entrinnen, und die Faszination an der zwangsläufigen Tragik des Dramas bewogen ihn über die Jahre weiter an seiner eigenen Textfassung zu arbeiten.

Und so brachte Bodo Wartke 2009, nach 15-jähriger Entwicklung, den ganzen König Ödipus auf die Bühne. In seiner Bearbeitung als Solo-Theater wird aus dieser griechischen Tragödie nach Sophokles ein musikalischer, kurzweiliger, frech und intelligent präsentierter Klassiker, der das Publikum mitreisst, der die Laune und das Bildungsniveau schlagartig hebt.

Bodo Wartke schafft es in 120 Minuten, 11 Szenen, 6 Liedern und mit nur neun Requisiten – darunter eine Schirmmütze, eine Handpuppe, eine Sonnenbrille, ein Schwert, ein Cajón und ein Klavier sowie den typischen Wartke-Zutaten – intelligente Wortspiele und elegante Reimkaskaden – den 14 handelnden Personen der Tragödie Leben einzuhauchen ohne die Glaubwürdigkeit der Geschichte mit seiner humorvollen Adaption zu untergraben.

Ödipus, Sohn des Laios, König von Theben, der unwissend seinen eigenen Vater tötet. Und später, als Belohnung dafür, dass er Theben von der Sphinx befreit, Iokaste, die Witwe des Königs und damit seine eigene Mutter, zur Ehefrau erhält. Das Publikum kann am Ende dieser kurzweiligen Aufführung, deren dramatische Abgründe und komödiantischen Höhen Bodo Wartke mit viel Gespür auslotet, des Laios’ Entsetzen auf die unschuldige Frage von Iokaste «Wat haste?» mit amüsiertem Gruseln nachempfinden. Für die Zitate aus Rumpelstilzchen und Hamlet allerdings lohnt sich genaues Hinhören.

Wenn Bodo Wartke klassische Bildungsinhalte verständlich selbstverständlich präsentiert, authentisch, augenzwinkernd und ohne den didaktisch-pädagogischen Zeigefinger, fühlt man sich im besten Falle angeregt, der Neugier nachzugeben und den einen oder anderen Klassiker aus dem Regal zu nehmen. Und so bietet der Klavierkabarettist mit seiner Fassung des König Ödipus einen barrierefreien Einstieg in einen zu Recht berühmten Sagenstoff, nicht nur für Schüler und Studenten.


Sprache: Hochdeutsch