TrummerLabor 1: Amene sichere Ort

So | 2. September 2018
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Spieldaten

Sep 2018

Trummers wahrlich eigenartiges neues Album schlägt ein neues Kapitel auf. Der Berner Oberländer Songwriter Trummer legt sein achtes Album vor. Genau so hätte es wohl niemand von ihm erwartet.

Der Texter Trummer wird gern für seine Zwischentöne gelobt. Auch diese neuen Songs spielen abseits der dramatischen Alles-oder-Nichts-Themen. Trummer kartografiert Gemütszustände nach dem Finden und Ankommen, und wie sich zeigt, gibt es dort genug zu tun: «I hane Wändig für mi Gschicht gsuecht, si het ihri eigni bracht / Jitz teile mir die Gschichte, u sueche wyter: Zum Teile no e Sprach» («Gfunde»). So sind diese Lieder gespickt mit unerwarteten, kleinen Wendungen: Zweifel, die der Liebe nichts anhaben können, und Liebe, die tückische Fragen nicht fürchtet. «Mini Liebi zu dir versteckt sich vor de Wort, vor de Näme u Gründ, amne sichere Ort», singt Trummer im Titelsong.

Bio Elektro? Die wahre Überraschung an diesem Album ist sein Sound. Trummer hatte kein Interesse den Folk-Rock der letzten Alben zu wiederholen und beginnt mit Labor eine experimentelle neue Reihe. Für Labor 1 hat er Dogmas formuliert: Keine Folkgitarren. Keine Band. Viel Platz für Musik. Die Ruhe von elektronischen Pop-Produktionen. Er kaufte sich eine klassische Gitarre und Sample Software. Baute die Songs elektronisch auf. Wandelte Synthieparts in Streicherparts um und hatte bald für jedes Lied ein kleines Orchesterarrangement geschrieben. Nahm das mit einem Ensemble im Studio auf. Verwarf viel Elektronik wieder und verschnipselte stattdessen analoge Sounds zu Beats und Texturen. Erlaubte sich doch noch die eine oder andere Westerngitarre. Und wusste am Ende auch nicht mehr so genau, was er da eigentlich gemacht hatte, und wie er das nun nennen sollte. Musik, die passiert ist. Bio Elektro also.

«Trummers Labor 1: Amne sichere Ort» ist ein eigenartiges Album geworden im wahrsten Sinn des Wortes. Irgendwie heutig und doch abseits des Trends. Gross angerichtet und doch oft leise. Sehr digital und LoFi-analog zugleich. Ein melancholisch-frischer Soundtrack zu einem Glück, das sich das Grübeln erlaubt.


Sprache: Berndeutsch