Unser Künstler des Jahres 2019: Christoph Simon

1 / 2

Liebe Kulturbegeisterte, liebe Kleinkunstfans

Es geht nicht um die Pointendichte. Christoph Simon macht Hoffnung, denn seine Programme kommen ohne alles aus. Als (halb-)studierter Jazzmusiker braucht er keinen Lärm, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber seine Texte atmen den Rhythmus. Als gewiefter Schriftsteller benötigt er kein Manuskript, um in den Köpfen der Menschen anzukommen. Er hat keine Kostüme, keine Requisiten, keine Lichtshow und keine Bühnentricks – aber er hat etwas zu sagen. Gebannt hängt das Publikum an seinen Lippen und geht mit einem warmmassierten Zwerchfell nach Hause – begeistert und beseelt. Im zeitlos eleganten Konfirmandenanzug betritt er die Bühne und zieht alle im Saal sofort in seinen Bann. Sein ewigjunges Lausbubengesicht mit dem stets etwas verwuschelten Haarschopf kontrastiert mit der Tiefe und Lebenserfahrung, die seinen Geschichten innewohnt. Und er verkörpert die Erkenntnis, dass es beim Humor nicht um das Erzählen von Witzen geht, sondern um die Fähigkeit, schwierigen Situationen im Leben mit Zuversicht zu begegnen. Weil wir nie genug kriegen von seinen verrückten Storys mit ihren atemberaubenden Wendungen und lebensechten Dialogen und seiner knochentrockenen Selbstironie – ist Christoph Simon unser «Künstler des Jahres 2019».

«Die kleine Welt ist mein Fach.» Das sagt Christoph Simon von sich. Und er versteht sich selbst als Geschichtenerzähler, als Reiseleiter in seine eigenen Welten. Als ginge es darum, die neue Freiheit zu spüren, die ihm sein Bühnenerfolg verschafft, lässt er seinen Protagonisten im neuen Programm als Strassenmusiker und unabhängigen Cowboy in der Welt herumvagabundieren, frei von jeder Alltagsverpflichtung – während sich die Agenda seines Schöpfers unbarmherzig füllt. Immer geht es bei Christoph Simon um sein eigenes Erleben, denn darin wurzeln die Ranken seiner Fantasie. «Mich interessieren die Menschen und wie sie es miteinander haben. Ich fühle mich den Charakteren verpflichtet, die in meinen Geschichten vorkommen, ihren Sorgen, Träumen, ihrer Suche nach dem Glück.»

Ob er seine WG-Erfahrungen mit uns teilt, die ihm stapelweise öffentliche Parkbänke bescherten, aus dem familiären Nähkästchen plaudert oder eine romantische Liebesgeschichte mit Happy End auf dem Dach einer Landi-Filiale mit uns teilt – Christoph Simon umgarnt unseren Intellekt und spielt mit unseren Gefühlen wie mit den Saiten seiner Gitarre.

In New York wurde er zum Dichter. Wie tickt einer, dem so versponnene und liebenswürdige Geschichten einfallen, wo liegen seine Wurzeln? Als Christoph Simon an einem 6. August zur Welt kam, wusste er noch nicht, dass sein Geburtstag immer in den Sommerferien liegen und deshalb in der Schule nie gefeiert wird. Vielleicht brach er deshalb das Gymnasium ab, wechselte an die Jazzschule, versuchte sich als Psychologie-Student. Mit 25, in New York, erkannte er, dass er Schriftseller werden wollte. 2001 erschien sein erster Roman «Franz oder warum Antilopen nebeneinander laufen». Es folgten weitere Romane wie «Luna llena», «Planet Obrist», Reisen in aller Herren Länder und zahlreiche Auszeichnungen. Vor fünf Jahren entdeckte und entwickelte er sein Bühnentalent als Slam-Poet, und startete kurz darauf als Kabarettist durch. In Olten gewann er das Kabarett-Casting und die «Sprungfeder», 2018 folgte der «Salzburger Stier». Seine drei Soloprogramme hat er alle in der Cappella uraufgeführt.  

Eine geballte Ladung. Im Jahr 2019 wird Christoph Simon zum wahren Cappella-Hausfreund: Im Februar, April und November spielt er sein aktuelles Programm «Der Richtige für fast alles», im September beehrt er uns mit der Dernière von «Zweite Chance» und im Dezember zeigt er als exklusives Try-out sein viertes Programm, das erst im Februar 2020 herauskommen wird. Ausserdem lancieren wir mit dem zweifachen Schweizer Meister im Poetry Slam und erfahrenen Moderator einen neuen und etwas anderen Dichter-Wettkampf: Den OLYMPIA-Slam. 4 Wortathleten und Sprachspielerinnen messen sich in 4 vorgegebenen Disziplinen und kämpfen um Lorbeerkranz und Schnaps – und das 4 Mal jährlich...     

Wir gratulieren Christoph Simon ganz herzlich und freuen uns auf viele beglückende Abende mit ihm!

Sternstunden in der Wohlfühlkapelle

Kleinkunst lebt von der Nähe. Denn Nähe ist unsere Stärke. Nirgends können Sie Künstlerinnen und Künstler und ihre Kunst näher und unmittelbarer erleben als in einem Kleintheater. Stets ganz nahe dran, denn Kleinkunst heisst: kleine Distanz zwischen Bühne und Publikum, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Erwartung und Erfüllung. Oder wie Uta Köbernick sagt: Nahkunst, halt.

Nähe und Einmaligkeit

Anders als im Kino, wo jeder Film bei jeder Vorführung genau gleich aussieht, ist jeder Kleinkunstabend anders. Das Publikum, die Stimmung, die Energie zwischen Bühne und Zuschauerraum wechselt von Vorstellung zu Vorstellung. Und die Bilder sind nicht vorgegeben, sondern ganz persönlich. Denn der Film entsteht hier im Kopf der Betrachterin, des Betrachters.

Für Kenner und Perlentaucher

Wir bemühen uns seit bald 20 Jahren, ein Programm zusammenzustellen, das Kenner der Szene durch seine Dichte, Qualität und Vielseitigkeit immer wieder aufs Neue überrascht und begeistert. Ein besonders Augenmerk legen wir auf spannende Künstlerinnen und Künstler, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen. Neben der Nachwuchsförderung wollen und werden wir auch immer wieder zeigen, dass es zwar wenige, aber ganz tolle Frauen in der Musik- und Kleinkunstszene gibt. Oft ermöglichen wir Künstlerinnen und Künstlern – vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus Österreich, Italien, Frankreich, den USA oder Kanada, Irland oder Uruguay – sich dem Berner oder sogar dem Schweizer Publikum erstmals vorzustellen. Für kulturelle Perlentaucher ist die Cappella ein ideales Gewässer. 

Im Theater zu Hause

Manche Leute mögen die Cappella, weil es hier gemütlich ist. Wegen der intimen Atmosphäre, der entspannten Stimmung, der gelebten Gastfreundschaft und familiären Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern. In der Cappella fühlt man sich – ob an öffentlichen oder privaten Veranstaltungen – willkommen und zu Hause. 

Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Surfen und freuen uns, Sie demnächst wieder persönlich in unserem Theater begrüssen zu dürfen.

Christoph Hoigné 
und das ganze Team der Cappella