La-Cappella-Künstlerin des Jahres 2018: Uta Köbernick

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Liebe Kulturbegeisterte, liebe Kleinkunstfans

42 ist die Antwort. Auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Das wissen alle, die den Kultroman «Per Anhalter durch die Galaxis» von Douglas Adams kennen. 42 Jahre wurde sie in diesen Januartagen, die Schauspielerin, Liedermacherin und Kabarettistin Uta Köbernick. Und sie hat einige Fragen gestellt, nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Weil wir ihre Antworten auf diese Fragen ganz besonders mögen – das Leichte, Spielerische und ihren Tiefgang – ist Uta Köbernick unsere «Künstlerin des Jahres 2018».

Wenn das Scheitern nicht wär. So heisst einer meiner Lieblingssongs von Uta Köbernick. «Ich würde heut’ noch Geige spielen, wär ein Geigenstar, repräsentierte im Ausland die DDR…», singt sie darin. Tatsächlich verdanken wir dem Scheitern eine der überzeugendsten Stimmen auf deutschsprachigen Chanson- und Kabarettbühnen. Aufgewachsen in Köpenick erhielt Köbernick bereits mit sechs Violinunterricht und war bald Mitglied des Rundfunk-Kinderchors Berlin. Mit 15 begann sie, eigene Lieder zu schreiben. Kurz zuvor war die Mauer gefallen, Uta studierte vorübergehend Gesang in Weimar, trat in Christof Stählins Akademie für Poesie und Musik SAGO ein und landete schliesslich im Jahr 2000 an der Schauspielschule Zürich. Frisch diplomiert erhielt sie Engagements am Berliner Ensemble und am Theater an der Winkelwiese in Zürich und brachte 2007 ihr erstes Soloprogramm «Sonnenscheinwelt» heraus. Rasch etablierte sie sich in der Kleinkunstszene und gab diesem Genre auch einen neuen, überaus treffenden Namen: Nahkunst.

Zaghafte Wurzelbildung in der Schweiz. Die gebürtige Europäerin lebt nun seit 18 Jahren in Zürich, als «scheinintegrierte Deutsche», wie sie selber sagt. Sie schlägt ihre Ostberliner Wurzeln tief in die Blumentöpfe unserer Vorurteile. Und wurde bereits mit den namhaftesten Preisen ausgezeichnet: darunter der deutsche Kleinkunstpreis, die Liederbestenliste und der Salzburger Stier – notabene für die Schweiz! «Uta Köbernick ist eine politische Lyrikerin und Musikkabarettistin, die nicht nur virtuos Geige und Gitarre zum Klingen, sondern ihr Publikum auch mit irrwitzigen Aphorismen und grüblerischen Sinnverdrehungen zum Nachdenken und Träumen bringt und damit dem Wahnwitz der Wirklichkeit einen Widerhaken einrammt», drechselte der Laudator des «Stiers» seine schnörkelige Alliterationsfigur.

«Sie denkt so schön» freute sich der geistesverwandte Kollege Günther Pahl, genannt Gunkl.

Sprache ist ein Klumpen Teig. Wir backen daraus das täglich Brot für unseren Geist. Uta Köbernicks Backwaren sind besondere Leckerbissen, liebevoll zubereitet und veredelt mit Oliven, Rosinen oder Sonnenblumenkernen. Ihr aktuelles Programm heisst «Grund für Liebe – politisch, zärtlich, schön.» Damit ist auch schon beschrieben, was ihr wichtig ist. Die Verbindung des Persönlichen mit der Gemeinschaft, des Individuums mit der Gesellschaft. Ihr verklärt daherkommendes Liebeslied «Lass’ uns Zäune bauen» beispielsweise ist eine bitterböse Parabel auf den Wahn, unseren Wohlstand mit Mauern vor fremden Eindringlingen und Einflüssen zu schützen.

Hin- und hergerichtet. So hiess die Veranstaltungsreihe, mit der Uta Köbernick und die Cappella vor knapp zehn Jahren mangels Publikum glamourös gescheitert sind. Manche von Utas Bühnenbegegnungen waren aber so fruchtbar, dass daraus jahrelange gemeinsame Projekte entstanden sind, etwa mit dem österreichischen Kabarettisten Gunkl oder mit dem Ostschweizer Musik-Kabarettisten Manuel Stahlberger. 2018 steht erneut im Zeichen der Begegnung. Uta Köbernick bittet wundervolle Kolleginnen und Kollegen auf ihre Bühne: Stefan Waghubinger, Gunkl, Dota Kehr, die Kleingeldprinzessin und – in seinen Werken – den leider im Herbst 2015 verstorbenen Christof Stählin. Als Krönung ihrer regelmässigen Auftritte zeigt sie im November als Berner Première ihr gerade heranreifendes Programm «Ich bin noch nicht fertig.» Wir gratulieren Uta ganz herzlich und freuen uns auf all ihre unvergleichlichen «Widerständchen»!

Sternstunden in der Wohlfühlkapelle

Kleinkunst lebt von der Nähe. Denn Nähe ist unsere Stärke. Nirgends können Sie Künstlerinnen und Künstler und ihre Kunst näher und unmittelbarer erleben als in einem Kleintheater. Stets ganz nahe dran, denn Kleinkunst heisst: kleine Distanz zwischen Bühne und Publikum, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Erwartung und Erfüllung. Oder wie Uta Köbernick sagt: Nahkunst, halt.

Nähe und Einmaligkeit

Anders als im Kino, wo jeder Film bei jeder Vorführung genau gleich aussieht, ist jeder Kleinkunstabend anders. Das Publikum, die Stimmung, die Energie zwischen Bühne und Zuschauerraum wechselt von Vorstellung zu Vorstellung. Und die Bilder sind nicht vorgegeben, sondern ganz persönlich. Denn der Film entsteht hier im Kopf der Betrachterin, des Betrachters.

Für Kenner und Perlentaucher

Wir bemühen uns seit bald 20 Jahren, ein Programm zusammenzustellen, das Kenner der Szene durch seine Dichte, Qualität und Vielseitigkeit immer wieder aufs Neue überrascht und begeistert. Ein besonders Augenmerk legen wir auf spannende Künstlerinnen und Künstler, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen. Neben der Nachwuchsförderung wollen und werden wir auch immer wieder zeigen, dass es zwar wenige, aber ganz tolle Frauen in der Musik- und Kleinkunstszene gibt. Oft ermöglichen wir Künstlerinnen und Künstlern – vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus Österreich, Italien, Frankreich, den USA oder Kanada, Irland oder Uruguay – sich dem Berner oder sogar dem Schweizer Publikum erstmals vorzustellen. Für kulturelle Perlentaucher ist die Cappella ein ideales Gewässer. 

Im Theater zu Hause

Manche Leute mögen die Cappella, weil es hier gemütlich ist. Wegen der intimen Atmosphäre, der entspannten Stimmung, der gelebten Gastfreundschaft und familiären Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern. In der Cappella fühlt man sich – ob an öffentlichen oder privaten Veranstaltungen – willkommen und zu Hause. 

Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Surfen und freuen uns, Sie demnächst wieder persönlich in unserem Theater begrüssen zu dürfen.

Christoph Hoigné 
und das ganze Team der Cappella